Der Haubmo

Geboren im Jahre des Herrn 1225 in einem Dorf namens Großreuth als zweiter Sohn eines Schreiners blieb mir nach dem Tode meiner Eltern 1240 keine andere Wahl, als meine Heimat zu verlassen und umherzuziehen. Jedoch hatte ich das Glück, dass ein Söldner und sein Weib mich bei sich aufnahmen, da sie Tage vorher ihren leiblichen Sohn durch Krankheit verloren hatten. Der Anführer war nicht erfreut, aber ich durfte bleiben und er brachte mir alles bei, was er über die Kriegskunst und über den Umgang mit Waffen wusste.

Nach dem Tode meiner Zieheltern musste ich die Truppe verlassen und war erneut auf mich gestellt. Auf meiner Wanderschaft traf ich Gesindel, welches eine junge Maid bedrängten. Diese hatte ihr Elternhaus verlassen, da sie mit der Wahl ihrer Eltern für Ihren zukünftigen Gemahl nicht einverstanden war. Nach ihrer Errettung beschloss sie, den Weg mit mir fortzusetzen. Da mich ihre Lieblichkeit verzückte, warb ich um sie, und es gelang mir, ihr Herz zu erobern. Nun ist sie mein Eheweib.

Auf unseren weiteren Wegen trafen wir einen Soldaten, der schlau wie ein Fuchs war, aber dessen Durst seinen Hunger bei weitem übertraf. Er nannte sich Leo. Da wir genug zu essen und zu trinken hatten schloss er sich uns an. Und er versteht keinen Spaß, wenn es um sein Schäufele geht. Da wird er zum Berserker.

Bei Würzburg begegneten wir einem Weib mit roten Haaren. Sie hatte sich von ihrem trunksüchtigen Manne scheiden lassen und war ebenso auf Wanderschaft. Da sie kein genaues Ziel hatte, und jeder Weg so gut war wie der Andere, beschloss sie, mit uns zu gehen. Ein paar Wochen später stolperten wir über einen Manne, der sich des Nachts vor dem Zelt der Rothaarigen zum schlafen hingelegt hatte. Wir fragten ihn nach seinem Begehr, aber gar seltsam war sein Dialekt. Niemand verstand was er sagte. Aber wir erkannten dass es sich um einen Ausländer, einen Schwaben, handeln musste. Seit diesem Morgen gehört er auch zu meinem Gefolge, der Schwabe. Aber ich argwöhne, dass er nicht mir, sondern der Rothaarigen folgt. Beide sind in der Kunst des Bogenschießens bewandert.

Auf unseren weiteren Wegen begegnete uns noch ein junger Recke der sich Jörg nannte. Jörg erzählt uns Nachts am Feuer Geschichten, die teilweise so sagenhaft sind, dass wir ihn nur Jörg den Sagenhaften nennen. Er ist ein vortrefflicher Bogenschütze und auch mit dem Schwerte weis er umzugehen.

In einem Walde trafen wir eine junge Witwe namens Freyia. Als schutzbedürftiges Weib hat sie sich ebenfalls dem Fußvolke angeschlossen. Freyia ist uns unheimlich, denn sie kann aus Wurzeln, Kräutern und Pilzen gar seltsame Gebräue kochen, die bei so mancher Krankheit Linderung bringen. Aber niemand wagt es, sie zu verärgern, aus Furcht, eins von den Gebräuen könnte den Tod bringen. Auf die Frage, woran ihr Gemahl starb, schwieg sie und hat bis heute keine Antwort gegeben.